"La Sortie des usines Lumière"

    Aus Film-Lexikon.de

    Das Bild ist schwarz-weiß, unscharf und verwackelt, zu sehen ist knapp 50 Sekunden nichts anderes als Arbeiter, die für ihre Mittagspause ein Fabrikgebäude verlassen – auf den ersten Blick ist dieser Film also nichts Besonderes, einfach nur einer von vielen aus den frühen Anfängen des Filmemachens.

    Und doch verrät ein Blick auf das Entstehungsjahr, dass man hier auf ein wahres Juwel der Filmgeschichte blickt: auf das Erstlingswerk der Gebrüder Lumière aus dem Jahre 1895 mit dem Titel „La Sortie des usines Lumière“ (auf deutsch: Arbeiter verlassen die Lumière-Werke)! Dabei handelt es sich um die ersten Aufnahmen mit dem ebenfalls von den Lumière-Brüdern entwickelten Cinématographen, dem ersten brauchbaren Automaten zur Aufnahme bewegter Bilder.

    „La Sortie des usines Lumière“ wird oft als der älteste bekannte Film bezeichnet, das ist allerdings nur teilweise wahr. Denn schon vor den Gebrüdern Lumière versuchten Erfinder und Tüftler, Filmaufnahmen herzustellen und waren vereinzelt auch erfolgreich. „La Sortie des usines Lumière“ ist allerdings der erste Film, der in kommerziellem Rahmen gezeigt wurde, und zwar in Paris im Dezember 1895.

    Zu Beginn war den öffentlichen Vorführungen allerdings noch kein großer Erfolg beschert, nach wenigen Monaten fanden sich aber – befeuert durch die Mundpropaganda der erstaunten ersten Besucher – bereits über 2.000 zahlende Gäste pro Tag zu den Vorstellungen ein. In dieser Hinsicht hatten die Brüder Lumière die Zeichen der Zeit erkannt, ist die Filmbranche doch inzwischen eine Multi-Milliarden-Dollar-Industrie.